Mailand

Gotischer Traum in Weiß: Der Mailänder Dom (Foto: Thomas Abeltshauser)
Gotischer Traum in Weiß: Der Mailänder Dom (Foto: Thomas Abeltshauser)
Shopping deluxe: Die Galleria Vittorio Emanule II (Foto: Thomas Abeltshauser)
Galleria Vittorio Emanuele II (Foto: Thomas Abeltshauser)
Historische Straßenbahn Milano Ventotto (Foto: Thomas Abeltshauser)
Marktszene in Mailand (Foto: Thomas Abeltshauser)
Napoleonstatue im Hof des Palazzo Brera - von hinten (Foto: Thomas Abeltshauser)
Napoleonstatue von vorne (Foto: Thomas Abeltshauser)
Jungs an den Navigli-Kanälen (Foto: Thomas Abeltshauser)
Tourist vor dem Mailänder Dom (Foto: Thomas Abeltshauser)

Gleich bei der Ankunft mit dem Zug vom Flughafen zeigt sich Mailand von seiner imposantesten Seite. Der 1931 vollendete Hauptbahnhof Milano Centrale, eine Imitation römischer Monumentalarchitektur, steht da wie eine Trutzburg. Wirklich schön ist der Kopfbahnhof nicht, aber einer der wichtigsten Europas. Wir schnappen uns am Vorplatz ein Taxi, um rasch im Hotel einzuchecken. Nur ein verlängertes Wochenende haben wir für die 1,2-Millionen-Stadt, da zählt jede Minute.

Unser erstes Ziel: das Viertel Brera mit seinen unzähligen, kleinen Gassen und den Straßencafés, wo man für einen Viertelliter Wein schon mal zehn Euro hinblättern kann. Dafür gibt es aber auch was zu sehen! Die Männer in Mailand, das zeigt sich schon in diesen ersten Stunden, legen Wert auf ihr Äußeres. Mailand ist eine Modemetropole, da wird es selbst für Männer mit gutem Gaydar immer schwieriger die Heten von den Homos zu unterscheiden. In Mailand, so scheint es uns, rasiert Mann sich die Beine – über alle Grenzen der sexuellen Orientierung hinweg – oder gehört gleich zur Bärenfraktion. Während wir bei einem Glas San Colombano, dem Mailänder Rotwein, so über männliche Schönheitsideale sinnen, entscheiden wir uns, den Nachmittag in der Pinakothek um die Ecke zu verbringen.

Im Innenhof des Palazzo Brera, in der auch die Akademie der Schönen Künste beherbergt ist, steht Antonio Canovas Aktskulptur von Napoleon Bonaparte, die den Kriegsherrn mit einem sehr glorreichen Hinterteil zeigt. In der ständigen Sammlung der Pinacoteca di Brera ist vor allem Andrea Mantegnas Toter Jesus sehenswert. Den Abend läuten wir anschließend im Elephant ein. Viele Bars und Clubs bieten am Wochenende, üblicherweise so ab 19 Uhr, ein Aperitivo an. Das ist ein meist recht üppiges Büffet, bei dem man sich für eine Flatrate zwischen 10 und 15 Euro für die spätere Kneipentour oder die Clubnacht stärken kann.

Im Elephant trifft sich die schwule Jugend Mailands. Älter als Mitte 30 ist hier im Grunde keiner. Geplaudert wird zwar meist unter sich, aber beim Nachschub holen am Tresen kommen sich dann zwangsläufig auch die Jungs näher, die sonst zu schüchtern zum Flirten sind. Wie sollte man bei der Auslage keinen Appetit bekommen? Wir ziehen weiter in die Mono Bar, eine extrem stylishe und lustige Retro-Bar, in der die Typen nicht ganz so geleckt, ein bisschen schräger sind. Ein bisschen erinnert es an Berlin in den Neunzigern oder das grandiose Fabuloso in Madrid: Ein Laden wie eine Zeitmaschine, in dem man sich sofort wohlfühlt.

Entsprechend entspannt und schnell kommt man ins Gespräch. Wir beenden den Abend mit neuen Freunden. Am nächsten Morgen ist der Himmel klar. Sonst hängt oft eine Dunstwolke über Italiens Wirtschaftszentrum. Wir wollen die Witterung nutzen und Mailand aufs Dach steigen. Mit einer der 130 alten Trambahnwagen aus dem Jahr 1928, der Milano Ventotto, fahren wir zum Piazza del Duomo, dem Domplatz. Nicht minder imposant wie tags zuvor der Bahnhof, aber unvergleichlich reizvoller ist das Kirchengebäude ein gotischer Traum in Weiß. Und über 463 Stufen gelangt man auf das Domdach und hat, wie heute, einen Wahnsinnsblick über die Stadt bis zu den Alpen.

Gleich nebenan gelangt man durch einen Triumphbogen hindurch in die Galleria Vittorio Emanuelle II, eine spektakuläre, überdachte Shopping Mall aus dem 19. Jahrhundert, in der man sich wie in einer Filmkulisse fühlt. Wichtiger als die Shops ist die Architektur mit ihrem Glasdach und den Bodenmosaiken. Shoppen kann man natürlich trotzdem, und wer hier nicht findet, was sein Modeherz begehrt, biegt einfach in die Via Manzoni. Hier findet sich von Armani, der hier einen gigantischen Flagshipstore eröffnete, bis Paul Smith einfach alles. Und das meist weitaus günstiger als in der deutschen Heimat.

Abends gehen wir zu den Navigli-Kanälen. Fast glaubt man, in Amsterdam oder Venedig zu sein, so pittoresk ist das Kneipen- und Bargewusel links uns rechts vom Ufer. Hier trifft sich die hippe Mailänder Szene, ein kosmopolitischer Mix von sexy und smarten Typen, die der beste Beweis dafür sind, das Mailand einfach cooler ist, ohne Arroganz auszustrahlen. Es gibt auch ein paar schwule Läden hier am Wasser, aber im Grunde ist es relativ egal, wo man einen Drink bestellt, denn ein Homoghetto wie in anderen italienischen Städten gibt es nicht. Vielleicht ist Mailand wirklich die erste Postgenderkapitale. Einzigartig ist die Stadt in jedem Fall. Molto bene!

INFO

www.turismo.regione.lombardia.it
Website von Turismo Lombardia mit Stadtplänen, Events und Tipps.

www.visitamilano.it
Offizielle Tourismus-Website für Mailand.

ANREISE

Mailand hat drei Flughäfen, die von vielen deutschen Städten mit Direktflügen zu erreichen sind, etwa von Berlin oder Düsseldorf mit airberlin. Von Malpensa gibt es einen Expresszug zum Hauptbahnhof, der etwa 45 Minuten braucht, von Linate braucht der Bus etwa 25 Minuten.
www.airberlin.com

HOTELS

Garda (Via Napo Torriani 21) Zentral in der Nähe von Duomo und Scala gelegenes gayfriendly Drei-Sterne-Hotel, www.hotelgardamilan.com

44 Suite (Via Vitruvio 44) Zwei in schwulem Besitz befindliche Apartments im fünften Stockwerk eines Hotels. Direkt am Hauptbahnhof gelegen und mit allem ausgestattet, was man für einen Kurztrip braucht, www.44suite.com

Hotel Charly (Via Lodovico Settala 76) Das Hotel liegt in einer ruhigen Nebenstraße nur fünf Minuten vom Hauptbahnhof. Klein und gayfriendly.

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