Sonoma County

Bekannt als homofreundliches Sommerziel: Sonoma County (Foto: Out in the Vineyard)
Eine typische Cabin: das Highlands Resort (Foto: Spartacus Traveler)
Spaß in den Weinfeldern mit Out in the Vineyard (Foto: Out in the Vineyard)
Bekannt als homofreundliches Sommerziel: Sonoma County (Foto: Out in the Vineyard)
Zedernholzbad im Osmosis Spa (Foto: Osmosis)
Weingut mit Pool und Museum: Die Francis Ford Coppola Winery (Foto: Spartacus Traveler)
Am Ufer des Russian River (Foto: Spartacus Traveler)
Beschaulich und schön: Guernville (Foto: Spartacus Traveler)
Mit dem Kanu auf dem Russian River (Foto: Spartacus Traveler)
Gayfriendly Guernville (Foto: Spartacus Traveler)

Nach etwa einer Stunde ist man in einer anderen Welt. Wer San Francisco über die berühmte Golden Gate Bridge in Richtung Norden verlässt und der quirligen Metropole den Rücken kehrt, findet sich bald in der sanft hügeligen Landschaft von Sonoma County wieder. Nicht ganz so berühmt wie das benachbarte Napa Valley, ist dieses Fleckchen Erde ein Paradies für Weinliebhaber, solche, die es werden wollen oder all jene, die ein paar Tage in der abwechslungsreichen Natur zwischen Weinbergen, dichten Wäldern und der rauen Küste des Pazifischen Ozeans verbingen wollen.

Die Täler, in denen vor allem Chardonnay, Cabernet Sauvignon und Pinot Noir aber auch Merlot und Zinfandl angebaut werden, heißen Dry Creek, Alexander, Sonoma und Russian River. Mitten drin liegen kleine Orte wie Santa Rosa, Sonoma, Healdsburg oder Sebastopol, von denen aus man Abstecher in die unzähligen Weingüter mit ihren „Tasting Rooms“ zur Verkostung unternehmen kann. Auch wer sich mit Wein nicht besonders gut auskennt, kommt hier auf seine Kosten. Während manchen Weinproduzenten wie die Benzinger Family geführte Touren durch ihre Weinberge und -keller anbietet und die Besucher über die Weinherstellung informiert, lohnen andere Güter vor allem wegen ausgefallener Architektur. So wartet die Francis Ford Coppola Winery mit einem riesigen, einem Schloss ähnlichen Haupthaus auf, an dessen Pool vor allem sonntags die Post abgeht. Neben einem der besten Restaurants der Region gibt es eine kleine Ausstellung mit Requisiten aus Coppolas Filmen sowie seinen Oscars. Der Filmvisionär hat auch in Sachen Weinanbau, Präsentation und Vermarktung einen ganz eigenen Weg eingeschlagen, seinen besten Wein nennt er Archimedes, den Sekt hat er seiner Tochter gewidmet und die Marke „Sofia“ genannt. Bei der Ledson Winery steht mitten zwischen den Reben ein scheinbar altes Schloss, in dem auch die Adams Family residieren könnte. In Sachen Pomp und Protz ist dieser Tasting Room kaum zu überbieten, auch wenn man sich die Verkostung hier eigentlich sparen kann.

Schick und modern dagegen präsentiert sich J Vineyards, einem ausgesprochenen Spezialisten für Champagner, den man im berühmten „Bubble Room“ verkostet. Wahren Weinkennern stehen dagegen kleine aber feine Produzenten zur Auswahl, die einem deutlich machen, dass kalifornische Weine durchaus mit Premiumweinen aus Südafrika, Australien oder Neuseeland mithalten. Mit ihrer Firma Out in the Vineyards haben sich Gary Saperstein und Mark Vogler auf schwule Besucher spezialisiert, denen Wein am Herzen liegt. Je nach Vorlieben stellen die beiden individuelle Touren zusammen und organsieren zudem Events wie das im Juni stattfindene Gay Wine Weekend.

Macht man sich vom Sonoma Valley auf in Richtung Westen, gelangt man bald schon in das Gebiet des Russian River. Von den von der Sonne verwöhnten Weinhängen ist hier nichts mehr zu sehen. Die Straße nach Guernville, dem Hauptort am Russian River, führt durch tiefgrüne Wälder, die kaum das Licht bis auf den Boden hindurch lassen. Im Flusstal riecht es nach Waldblumen und Holz, der Küstenmammutbaum, auch Redwood genannt, ist hier allgegenwärtig. Der Name des Flusses hat übrigens mit der fast schon vergessenen russischen Kolonialgeschichte Kaliforniens zu tun. 1811 wurde ganz in der Nähe der Flussmündung eine russische Kolonie gegründet, um Russisch- Amerika (u.a. Teile des heutigen Alaskas) mit Nahrungsmitteln aber auch Pelzen zu versorgen. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts war die Gegend dank einer Bahnverbindung, die vor allem dem Transport von Holz diente ein beliebtes Ziel für Sommerfrischler.

Mit Tanzhallen, Bars und Nachtclubs und den kleinen Stränden entlang des Flusses war der Russian River in den 1930er und 40er Jahren auch bei jungen Leuten äußerst beliebt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es mit dem Urlaub in einfachen Holzhütten („Cabins“) vorbei, erst die schwule Szene aus San Francisco verhalf dem Russian River in den 1970er Jahren wieder zu einer Renaissance. In Guernville eröffnete ein Gay Resort nach dem anderen – es waren wilde Zeiten. Zum Höhepunkt der Aids-Krise der 1980er Jahre zogen sich viele HIV-Positive bei günstigen Mietpreisen in die Abgeschiedenheit der Natur zurück, um hier im Kreis von Freunden die letzten Monate ihres Lebens zu verbringen. Der Ausdruck „zum Sterben schön“ wurde hier tragische Realität.

Die Verbundenheit der Szene mit diesem idyllischen Fleckchen Erde ist auf Grund der Geschichte besonders groß. Daher war die Trauer verständlich, als das berüchtigste Gay Resort RRR im Sommer 2011 geschlossen blieb. Das Resort mit Pool, Bar und Restaurant war so etwas wie das Herz des schwulen Russian River. Um so mehr war die Szene erfreut, dass das Resort Ende 2011 – nun unter dem Namen The R3 Hotel – wiedereröffnet wurde. Den schwulen Sommerfreuden am Russian River steht nun also nichts mehr entgegen, vor allem das bekannte Lazy Bear Weekend im August zieht gut tausend Kerle in den sonst sehr beschaulichen Ort.

Die Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben, sind vielfältig: Ob Kajaktouren auf dem Fluss, Wanderungen durch das von majestätischen Redwoods geprägte Armstrong State Reserve oder Sonnenbaden am Ufer – ein ruhiges Plätzchen findet sich schnell. Ein mindestens ebenso lohnenswerter Abstecher führt mit dem Auto an die nahe gelegene Pazifikküste. Der Bohemian Highway führt durch dichten Wald, vorbei an verträumten Orten wie Freetown bis nach Bodega Bay. In dem malerischen Fischerort drehte Alfred Hitchcock einst „Die Vögel“. Entlang des berühmten Highway 1 hat man Aussicht auf einen der schönsten Strandabschnitte der kalifornischen Küste. Während sich an einigen Stellen junge Surfer in die Brandung werfen, dösen rund um den Goat Rock manchmal ein paar große Seeelefanten. Ein einzigartiges Erlebnis ist auch der Besuch des Osmosis Spa am Bohemian Highway. Hier gibt es neben ausgezeichneten Massagen auch ein Bad in heißen, fermentierten Zedernholzspänen. Kurz und gut: Hier fühlt man sich eben richtig wohl.

INFO

www.sonomacounty.com/gay-lesbian
Offizielle Homepage von Sonoma County mit vielen Tipps für die Region und Infos für Schwule und Lesben.

ANREISE

Swiss fliegt täglich ab zehn deutschen Flughäfen über Zürich nach San Francisco. Hin- und Rückflug kosten ab 698 Euro. Auf Angebote der Website achten.
www.swiss.com

Sonoma und den Russian River erreicht man von San Francisco aus in etwa einer Autostunde. Bei Holidayautos kostet eine Woche Mietwagen ab/bis San Francisco ab 177 Euro. Buchbar im Reisebüro oder Tel. 01805 179 191 (0,14 Euro aus dem dt. Festnetz).
www.holidayautos.de

TIPP

Weinkenner und solche, die es werden wollen, können sich auf Gary Saperstein und Mark Vogler verlassen. Egal ob als Paar oder in eine Gruppe – mit ihrem Unternehmen Out in the Vineyard stellen sie für jeden Geschmack eine passende Tour durch die Weinberge zusammen und ermöglichen Weinproben an außergewöhnlichen Orten. www.outinthevineyard.com

top hotels

Poseidon

Luxuriöses Hotel mit individuell eingerichteten Zimmern und Suiten bietet ein elegantes und einladendes Ambiente. Das e... weiter

Red South Beach Hotel

Das Red South Beach Hotel bietet Zimmer zum Wohlfühlen in einem angesagten, luxuriösen Boutique-Hotel. Kunstvolle Baro... weiter

GPRO Valparaiso Palace & Spa

Das Hotel GPRO Valparaiso Palace Hotel & Spa befindet sich in der Stadt Palma. Das "Urban Resort" bietet Ihnen durch sei... weiter

Spartacus Traveler Abo