Foto: Stockholm-Visitors-Board

Der Spartacus International Gay Guide hat einen Gay Travel Index veröffentlicht. Der seit über 40 Jahren erscheinende Reiseführer für die Gay Community informiert bereits seit vielen Jahren über die rechtliche Situation von Schwulen und Lesben in seinen Bemerkungen zu insgesamt 128 Ländern. Die Redaktion steht dabei in regelmäßigem Kontakt zum Auswärtigen Amt, den ausländischen Botschaften in Deutschland sowie LGBT-(Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender)-Aktivisten aus aller Welt.

15 Bewertungskategorien

„Im neuen Gay Travel Index fließen nun neben der aktuellsten Gesetzeslage für Homosexuelle, zum Beispiel zum Stand der Homoehe und Adoption oder den Einreisebeschränkungen für HIV-Positive auch Faktoren wie religiöser Einfluss auf Regierungen, das Verbot von Pride Paraden sowie gezielte Marketingaktivitäten für schwule und lesbische Touristen ein“, so Chefredakteur Briand Bedford. Der Index setzt sich aus insgesamt 15 Bewertungskategorien mit jeweils positiven oder negativen Punkten zusammen. Die maximale Punktzahl beträgt 9.

Platz 1 für Schweden

Mit einem Index von 9 Punkten und damit der Höchstpunktzahl steht Schweden an der Spitze der Tabelle. Eine vorbildliche Gesetzgebung zu Antidiskriminierung, Homoehe und Adoption machen das Land zum homofreundlichsten Reiseziel überhaupt. Kurz dahinter teilen sich Belgien und die Niederlande den zweiten Platz mit jeweils 8 Punkten, auf Platz drei mit je 7 Punkten liegen Island und Kanada gleich auf.

Letzter Platz für Iran

Mit -14 Punkten findet sich der Iran am Schluss des Gay Travel Index. Das Verbot von Homosexualität per Gesetz, die Todesstrafe für Homosexuelle, Morde an Schwulen und ein extrem hoher religiöser Einfluss machen den Besuch des Landes zu einer Gefahr für Leib und Leben. Zu den am schlechtesten bewerteten Reiseländer für Homosexuelle gehören außerdem die Vereinigten Arabischen Emirate, Jamaica, Nigeria, Jordanien, Russland, Ägypten und Malaysia.

Sonderfall USA

Auf Grund der unterschiedlichen Gesetzgebung einzelner US-Staaten wird der Gay Travel Index für jeden der 50 Staaten einzeln erstellt. Hier liegen New York und Massachusetts, dank ihrer gezielten Werbung um schwule und lesbische Besucher, vor Vermont, New Hampshire und Conneticut. Das Ende der Tabelle belegen hier die Staaten Alabama und North Carolina.

Aufsteiger des Jahres: New York City, Absteiger: Ungarn

Dank Legalisierung der Homoehe gehört der US-Bundesstaat New York zu den Aufsteigern des vergangenen Jahres und konnte sich so auf den ersten Platz unter den homofreundlichsten US-Staaten vorrücken. Einer der Absteiger des Jahres ist Ungarn. Durch eine Verfassungsänderung wurde 2011 festgeschrieben, dass eine Ehe ausschließlich als Verbindung zwischen Mann und Frau definiert wird, Rechte von Minderheiten, eine klare Definition der Pressefreiheit sowie Maßnahmen gegen Antidiskriminierung fehlen. Unter Beobachtung: Indien, Kalifornien, Türkei „Aktuelle Diskussionen um die Legalisierung der Homoehe Kalifornien oder der Ruf nach einem Verbot von Homosexualität im indischen Parlament machen es immer wieder nötig“, bestimmte Länder und Regionen besonders im Auge zu behalten“, so SPARTACUS-Chefredakteur Bedford. „Gerade das Beispiel Indien zeigt, dass Gesetzgebung, Religion und öffentliche Meinung manchmal nicht in Einklang miteinander stehen. Auch der EU-Beitrittskandidat Türkei, in dem es keinerlei Gesetze gegen Antidiskrimierung oder der Gleichstellung von Homosexuellen gibt, diese zum Teil sogar verfolgt und Pride Paraden nicht genehmigt werden, muss im Auge behalten werden.

Wachstumsmarkt Gay Travel

Geht man bei konservativer Schätzung von einem fünfprozentigen Anteil homosexueller Menschen in der Bevölkerung aus, entspräche dies einem Anteil am Umsatz der Reisebranche in der Saison 2011/12 von mindestens 1,1 Milliarden Euro, für den US-amerikanischen Markt rechnet die in San Francisco beheimatete Firma Community Marketing mit rund 50 Milliarden Dollar. Anfang des Jahres stellte der deutsche Reiseveranstalter Dertour einen eigenen, knapp 100 Seiten starken Katalog unter dem Titel „Gay Travel“ vor. Auf der diesjährigen Reisemesse ITB in Berlin waren im Segment „Gay & Lesbian Travel“ in Halle 2.1 neben der International Gay & Lesbian Travel Association IGLTA, Dertour, Spartacus International Gay Guide und anderen auch die Tourismusämter von Brasilien und Argentinien vertreten.

Den Gay Travel Index als Gesamttabelle gibt es als Download auf www.spartacusworld.com/gaytravelindex.pdf

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