Aspen

Atemberaubend
von Dirk Baumgartl
Aspen ist der wohl bekannteste Skiort der USA und gilt zudem als traditionsreiches Winterziel für Schwule und Lesben. Grund dafür ist nicht nur ein Film namens „The Other Side Of Aspen“, sondern auch die Gay Skiweek, die 2012 bereits zum 35. Mal stattfindet.
Sie heißen Buttermilk, Snowmass, Highlands und Aspen bzw. „Ajax“ – jene vier Berge Colorados, die im Zusammenspiel mit den Elk Mountains, von denen sechs Gipfel in über 4200 Meter Hohe reichen, eines der schönsten Bergpanoramen der amerikanischen Rocky Mountains bilden. Aspen/ Snowmass ist wohl das berühmteste Skigebiet der USA, mit 336 auf über 500 Kilometern Lange perfekt präparierten Pisten und 46 Liften können sich Wintersportler in jeder Konditionsstärke ordentlich austoben. Wie kaum ein anderer Skiort Amerikas hat es das ehemalige Silberminenstädtchen Aspen geschafft, seine traditionsreiche Vergangenheit und den Ruf als Promi-Städtchen mit einem neuen, coolen Image zu verbinden. Die alljährlich Ende Januar stattfindenden X Games, das wichtigste Wintersportereignis für Extrem- Snowboarder und -Skifahrer, zieht Zehntausende meist jugendliche Besucher an den Fuß des Buttermilk Mountain, an dem sich eine riesige Super-Pipe befindet, die vor und nach den Games von Snowboard- Freaks genutzt werden kann. Ruhiger geht es auf den lang gezogenen blauen Abfahrten des Ajax Mountain zu – ein idealer Berg für den zweiten Tag auf den Brettern.
Die Talstation der „Silver Gondola“ befindet sich quasi mitten mit Zentrum von Aspen, die gläsernen Gondeln transportieren die Sportler direkt bis auf den über 3400 Meter hohen Gipfel. Vom dort befindlichen Sundeck Restaurant hat man nicht nur einen herrlichen 360-Grad-Blick auf das umliegende Bergpanorama, sondern kann auch als Nichtskifahrer ein paar Stunden in der Sonne sitzen oder von hier aus zu einer Schneeschuhtour durch den besonders trockenen und mit dem schönen Namen „Champagne Powder“ bezeichneten meterhohen Pulverschnee stapfen. Die von einem Biologen geführte, etwa zweistündige Tour führt vorbei an alten Minenschächten und folgt einem Rundweg, dessen Spur immer wieder von Schneehasen oder anderen tierischen Bewohnern der Rocky Mountains gekreuzt wird. Nur die Hütte, in der sich in der ersten Erfolgsproduktion des amerikanischen Pornolabels Falcon aus dem Jahr 1979, „The Other Side Of Aspen“, schnauzbärtige Männer miteinander vergnügten, sucht man leider vergebens.
Die besondere Qualitat des Schnees, dem jedes „Pappige“ und Schwere der europäischen Alpen fehlt, macht das Ski- und Snowboardfahren in den Rockys zu einem ganz besonderen Erlebnis. Vom Gipfel des Ajax führen blaue Pisten mit Namen wie Dipsy Doodle, Lazy Boy, Kleenex Corner und Towe Ten Road bis hinunter ins Tal, noch rasanter geht es auf schwarzen Pisten wie Bear Paw, Last Dollar oder Corkscrew Gully zu. Wer ganz entspannt einfach ein wenig den Berg herunterwedeln will, macht sich auf zum Buttermilk Mountain oder den Aspen Highlands, ideale Berge für Einsteiger, weniger Geübte und für den ersten Tag des Urlaubs. Allerdings bieten die Highlands auch die größte Herausforderung des gesamten Skigebietes: eine (geführte) Wanderung zum Hang des Highland Bowl mit anschließender Abfahrt durch absolut unberührten Tiefschnee.
Mit 21 Liften und 91 Pisten macht Snowmass seinem Namen alle Ehre. Hier sind es vor allem blaue und schwarze Pisten, die das weitläufige Skigebiet durchziehen und Tag für Tag für immer neue Abwechslung sorgen. Und das Beste dabei: Sieht man von den Wochen zwischen Weihnachten und Neujahr ab, hat man auf fast allen Pisten freie Fahrt, selten kommt es vor, dass man am Lift lange Wartezeiten hat und mehr Zeit im Tal als auf der Piste verbringt. Snowmass setzt zudem mit dem 2009 eröffneten Viceroy Resort neue Akzente. Das stylische Hotel ist eine Art Winterversion der von Coolness geprägten Designhotels in Miami oder Los Angeles – natürlich mit dem entsprechenden Restaurant und Spa.
Das Städtchen Aspen dagegen präsentiert sich als schmuckes Bergdorf, dessen Häuser und Resorts mal an den amerikanischen Western-, mal den europäisch-alpenländischen oder oft an einen funktional-modernen Stil angelegt sind. Riesige Hotelbunker sucht man vergebens, das größte und wohl auch beste Haus am Platze, das St. Regis mit seinem Remede Spa und Zimmern mit dem schönsten Blick auf den Hang des Ajax, hat 179 Zimmer und Suiten. Viele Häuser orientieren sich am Boutique-Hotel-Konzept, so das Sky Hotel oder auch die vom Preis-Leistungs-Verhältnis am besten abschneidende Limelight Lodge. Große Zimmer mit Küchenzeile für Selbstversorger, Pool und Whirlpool für einen entspannten Apres-Ski und die zentrale Lage sind sicher auch ein Grund dafür, warum die Limelight Lodge das Host-Hotel der Aspen Gay Ski Week ist.
Während des größten Homoskievents der USA ist die Hotellobby der Treffpunkt des allabendlichen Get- Togethers, bevor man sich zum Abendessen in eines der zahlreichen kleinen Restaurants begibt. Mit 35 Jahren ist die Aspen Gay Ski Week so etwas wie die Grande Dame der schwulen Winterevents, Jahr für Jahr kommen mehrere Tausend Teilnehmer im Januar nach Aspen, um gemeinsam Ski zu fahren und zu feiern. Als gemeinnützige und nichtkommerzielle Veranstaltung kommen dabei die gesamten Erlöse regionalen schwul-lesbischen Projekten zugute und machen die Gay Ski Week zu einem der wichtigsten Fundraising- Veranstaltungen Colorados. Zum Programm der 2012 unter dem Motto „Aspen Through The Years“ stehenden Skiwoche gehören neben täglich angebotenen Gruppenskitouren auf die vier Berge der Region auch Partys, Theaterabende, Drag Shows, eine Shopping Night sowie ein Downhill-Kostümwettbewerb. Höhepunkt ist die alljährlich im Aspen Recreation Center stattfindende Pool Party, bei der alle Getränke im Eintrittspreis inbegriffen sind und bei der es für amerikanische Verhältnisse recht ausgelassen zugeht.
Für Nicht-Skifahrer werden während der Woche Treffen zum Mittagessen angeboten, die übrige Zeit kann man mit Schneeschuhwanderungen, Shopping oder Besuchen im Aspen Club Spa oder im Art Museum verbringen. Viele Europäer, Südamerikaner oder auch Australier reisen übrigens schon einige Tage vorher an. Zum einen haben sie damit Gelegenheit, sich an die im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubende Höhe (Aspen liegt 2400 Meter über dem Meeresspiegel) zu gewöhnen, zum anderen können sie in aller Ruhe die Skigebiete abfahren, um sich ein paar Tage später auf das Gruppenerlebnis zu konzentrieren.
INFO
www.aspensnowmass.com
Offizielle Homepage der Region Aspen/ Snowmass mit vielen Infos zu Events, Unterkünften, Skipässen, Ausrüstungsverleih und Wetter.
www.gayskiweek.com
Alle Infos rund um die Aspen Gay Ski Week (15. bis 22. Januar 2011) mit Sonderangeboten für Übernachtungen und Skipässen.
ANREISE
United Airlines fliegt täglich ab Frankfurt und München nonstop nach Chicago und von dort weiter nach Aspen. Hinund Rückflug kosten ab 743 Euro in der Economy, und 5555 Euro in der Business Class. Nach Buchung kann gegen Aufpreis von 156 Dollar von der Economy in Economy Plus mit mehr Beinfreiheit gewechselt werden. Auf Grund des winterlichen Wetters wird der Flughafen von Aspen regelmäßig geschlossen. Die Flüge werden dann umgeleitet und Passagiere mit Bussen (ca. 3–4 Stunden Fahrtzeit) nach Aspen gebracht. Da die Airlines sehr erfahren mit der Situation vor Ort sind, verlaufen Umbuchungen bei Verspätungen reibungslos
www.unitedairlines.de
Vom Flughafen fahren Shuttlebusse oder Taxis ins nahe gelegene Städtchen (ca. 15 Dollar). Die Station der Silver Gondola zum Aspen Mountain befindet sich mitten im Zentrum. Zu allen anderen Skigebieten fahren kostenlose Shuttlebusse. Skis und Snowboards können nahe den Talstationen zum Beispiel bei Four Mountain Sports ausgeliehen werden. Im Preis inbegriffen ist die Aufbewahrung über Nacht sowie Anlieferung an den Berg seines Wunsches am nächsten Morgen.
HOTELS
The St. Regis Aspen Resort (315 East Dean Street) Nobles 5-Sterne-Bergresort mit Tradition sowie gutem Restaurant, großzügigem Spa und tollem Blick auf den Hang des Aspen Mountain, www.stregis.de
Viceroy Snowmass (130 Wood Road) Ende 2009 eröffnetes Winterresort am Fuße des Snowmass Mountain. Cooles Design, exzellentes Restaurant und schöner Spabereich, www.viceroysnowmass.com
Limelight Lodge (355 S. Monarch Street) Das Host-Hotel der Gay Ski Week überzeugt mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, großen Zimmern und schönem Outdoor- Pool, www.limelightlodge.com
TIPP
Auf Skiurlaube in Nordamerika spezialisierte Reiseveranstalter wie Faszination Ski bieten oft wesentlich günstigere Pauschalangebote als bei Selbstbuchung. So kostet zum Beispiel eine Woche im Hotel Aspen inklusive Flug, 7 Übernachtungen, 6 Tage Skipass und 10 Prozent Frühbucherrabatt ab etwa1299 Euro, www.faszinationski.de
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